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Newsletter #12
Deutschland, den 25. Oktober 2013

Hallo,

„Wohnimmobilien in Städten möglicherweise überbewertet“, so titelt die Bundesbank in ihrem Monatsbericht und erklärt, dass der städtische Wohnungsmarkt bis zu 10 % über dem nach ihren Kriterien erklärbaren Niveau liegt, in den attraktiven Großstädten sogar um bis zu 20 %. Dass sich dieses erhöhte Preisniveau auf den Mietpreis auswirkt, versteht sich von selbst.

(c) Timothy J, www.flickr.com/photos/tjc/(c) Timothy J, www.flickr.com/photos/tjc/

Wenn von Überteuerung die Rede ist, dann besteht zumindest theoretisch die Chance, dass hier eine sogenannte Blase platzt und sich die Preise wieder dem „normalen“ Wert anpassen. Das Problem ist aber, dass die Nachfrage nach wie vor größer als das Angebot ist – und ein Ende ist nicht in Sicht, solange die Städte und Kommunen sich nicht wieder im Wohnungsbau engagieren. Mit einer Entspannung der Lage am Wohnraummarkt ist deshalb nicht zu rechnen.

Auch Investoren kann man abschrecken!

Vielleicht sollten die Mieter in entsprechenden Wohnlagen das Abwertungskit des Hamburger Aktionsnetzwerks „Es regnet Kaviar“ ausprobieren. Die sehr unterhaltsame und deshalb sehenswerte Anleitung dazu findest Du hier.

Beste Grüße,
Jan Wegener
Gründer + Initiator

Willkommen in Wilhelmsburg, im Herzen Hamburgs

Nach Hamburgs erneutem Aufbruch und Sprung über die Elbe herrscht eher Katerstimmung: Letzte Woche ist die igs, die Internationale Gartenschau, zu Ende gegangen, Ende dieses Monats folgt die IBA, die Internationale Bauausstellung. Beide Formate hatten das Potenzial, Hamburgs Elbinseln als Stadtentwicklungsgebiete zu erschließen, die bisher vielleicht durch ihre Lage, sicher aber vor allem durch ihren Ruf abgeschreckt haben. Vater des Gedankens war vermutlich ein ähnlicher wie der von Helmut Kohl 1990: Durch gemeinsame Anstrengungen sollten diese Flächen schon bald (wieder) in blühende Landschaften verwandelt werden, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt. (Dass dazu vielleicht etwas "Dünger", ein paar anpackende Hände oder einfach eine auf den Kopf gedrehte Karte geholfen hätten, wollen wir hier jetzt nicht weiter vertiefen!)

(c) Mond über Wilhelmsburg by Tobias Mandt, www.flickr.com/photos/calvinshmelvin/(c) Mond über Wilhelmsburg by Tobias Mandt, www.flickr.com/photos/calvinshmelvin/

Die Elbinseln liegen perfekt: gute Verkehrsanbindung, nur zwei bzw. drei Stationen bis zum Hauptbahnhof, traumhafte Natur, urbane Landschaften. Was liegt also näher, als zu versuchen, dieses großartige und vor allem großflächige Raumentwicklungspotenzial wirkungsvoll in Szene zu setzen?! Die Stadt hat es versucht und ist gefühlt damit gescheitert. Die IBA ist bereits 2007 gestartet, sollte Aufbruchstimmung erzeugen und Menschen anziehen. Die ersten sind schnell gekommen. Aber als dann die Nachzügler ausblieben, sind einige angeblich enttäuscht wieder gegangen. Die igs selbst war im Hinblick auf die Besucherzahlen kein Erfolg, obwohl sie durchaus einen Besuch wert war. Ein großes und unterschätztes Problem ist die Norderelbe. Sie ist eine mächtige Barriere, die von den Hamburgern nördlich der Elbe erst einmal überwunden werden muss. Gut, in Zeiten von Brücken und Tunneln als Alternative zu Flößen, Ruderboten und Segelschiffen sollte das kein Problem mehr sein, aber gelernt ist nun mal gelernt: Hamburg endet für viele an der Norderelbe – und das gilt auch für so manchen Hamburg-Stadtplan. Was dahinter passiert, das ist für viele gefühlt einfach ganz weit weg und damit nicht relevant für sie.

(c) Torsten Maue, www.flickr.com/photos/erwinrommel/(c) Torsten Maue, www.flickr.com/photos/erwinrommel/

Und dennoch hat sich etwas getan. Neue und aufgewertete Immobilien werden nun auf den Elbinseln angeboten. Man findet zwar immer noch Wohnungen mit 48,6 qm für 306,18 Euro netto, was mit 6,30 €/qm deutlich unter dem Mietenspiegel liegt. Das bedeutet aber eben auch, dass es in Wilhelmsburg auch das andere Extrem geben muss. Neben einer 82 Quadratmeterwohnung für 687,43 Euro netto (8,30 €/qm) wird jetzt auch eine 109 Quadratmeterwohnung für 1.400,00 Euro Netto angeboten, die in den ehemaligen IBA-Gebäuden liegt. Das sind stolze 12,84 € pro Quadratmeter, eine Miete, die für sehr viele Hamburger einfach nicht bezahlbar ist. Dass die Politik ihr Milieu-gestaltendes Recht nutzt und etwa Luxussanierungen in diesen Gebieten verbietet, davon ist noch nichts zu hören. Im Gegenteil: Rund um die igs entstehen bereits Immobilien mit 86 qm Wohnfläche für 320.000 Euro, ein selbst für das übrige Hamburg stolzer Preis.

Wenn die Vorrichtungen der igs komplett entfernt sind, wird sich den Bewohnern eine schöne Parklandschaft bieten. Die Folge ist leider wie so oft absehbar: Die Mieten werden steigen, Wohnungen aufgemöbelt, teure Wohnraumobjekte hinzukommen und somit ein weiteres Kapitel des Gentrifidingsbums geschrieben. Schade, dass man anscheinend die Einheimischen dabei vergessen hat. Denn Modelle, wie alt und neu zusammenpassen, sind zumindest nicht spürbar. Vielmehr scheint es so, dass seit ein paar Jahren auf dem Reißbrett ein Neubaugebiet entsteht, für das das alte, gewachsene und den Bedingungen vor Ort angepasste weichen muss. Authentische Stadtentwicklung, um lebenswerten Wohnraum zu schaffen, sieht eigentlich anders aus.

Wer braucht schon Rückzugsorte!?

Zu Loftwohnungen umgebaute Fabrikhallen, offene Raumkonzepte, großzügige Wohnküchen, Schlafplätze auf Galerien – Mauern sind für viele dazu da, dass sie eingerissen werden. Der Traum vom großzügigen Wohnen begeistert viele.

(c) Dee Speed, www.flickr.com/photos/badgurl/(c) Dee Speed, www.flickr.com/photos/badgurl/

Doch diese offenen Grundrisse sind für Beziehungen nicht unbedingt vorteilhaft. So weist der Psychologe Wolfgang Schmidbauer im Zeit-Magazin „Ein Designheft über das Zusammenziehen“ darauf hin, dass derartige Architekturkonzepte keine Rückzugsorte bieten. Für denjenigen, der allein wohnt, ist das kein Problem. (Zudem gibt es immer mehr Singlehaushalte, so dass dieser Grundriss den Bedarfen entsprechen könnte.) Aber sobald zwei Menschen (über Familien will ich hier gar nicht erst schreiben) in einer derart zugeschnittenen Wohnung leben, entsteht ein Problem: Es gibt bspw. kein Arbeitszimmer, in dem Du alleine und in Ruhe lesen oder Deine Lieblingsmusik hören kann. Es gibt im Extremfall nicht einmal eine Tür (abgesehen sicherlich vom Bad, das hier nur begrenzte Ausweichmöglichkeiten bietet), die Du hinter Dir zuknallen kannst. Die Flucht aus der Wohnung und damit oftmals auch aus der Beziehung ist dann kein so abwegiger Gedanke mehr. Problematisch ist dann nur wiederum, dass bezahlbarer Wohnraum zumindest in den begehrten Metropolen immer knapper wird. Wohin das führt, haben wir eingangs bereits erwähnt: zu steigenden Mieten. Das Ganze erscheint wie ein Henne-Ei-Problem: Offener Wohnraum erschwert das Zusammenleben, so dass der Wunsch nach einem eigenen Rückzugsgebiet steigt, der dann selbst eventuell so geschnitten ist, dass er die nächste Beziehung auf die Probe stellt.

Die Lücke nach japanischem Vorbild schließen

Notwendig sind scheinbar neue Raumkonzepte, die sich verändern lassen. Bei denen eben Mauern auch wieder aufgebaut und den eigenen Bedarfen entsprechend angepasst werden können - und das bitte auch für die Geräuschkulisse, ich rede hier nicht von Leichtbauwänden. Ob diese Raumkonzepte eine Chance bekommen, bleibt abzuwarten. Bis dahin könnte sich für findige Unternehmer eine neue Nische eröffnen: Wenn es japanischen Paaren in den eigenen vier Wänden zu eng wird, suchen sie sich andere Orte, in diesem Fall sogenannte Love Hotels, um Zeit für sich zu haben. Wenn es also in den Wohnungen zu eng wird, unsere Bedürfnisse auszuleben, dann müssen wir Ruheräume außerhalb der Wohnung schaffen, wenn wir unsere Beziehung nicht opfern wollen. Die in den 1970er Jahren in Japan entwickelten Schlafboxen haben es ja bereits nach Europa geschafft. Vielleicht lassen sie sich zu Entspannungsboxen weiterentwickeln. Dann klappt es auch mit dem unbegrenzten Raum.

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