Koalitionsvertrag will das Bestellerprinzip

Kanzleramt

Bleibt zum Schluss die Frage, was wir von der nun beschlossenen großen Koalition erwarten dürfen?! Kapitel 4.2 des Koalitionsvertrags ist der „Lebensqualität in der Stadt und auf dem Land“ gewidmet. Eine hohe Wohn- und Lebensqualität soll ein wichtiges Ziel der Tätigkeiten in den kommenden vier Jahren sein. Die Stärkung der Investitionstätigkeit, die Wiederbelebung des sozialen Wohnungsbaus und eine ausgewogene mietrechtliche und sozialpolitische Führung will die große Koalition in einem Aktionsprogramm zur Belebung des Wohnungsbaus und der energetischen Gebäudesanierung im Bündnis mit den Ländern, Kommunen und allen relevanten gesellschaftlichen Akteuren zusammenfassen.

Interessant ist der Ansatz, dass Anteile an Genossenschaften, die sich im Gegenzug verpflichten, neuen Wohnraum zu schaffen, gefördert werden sollen. Sinnvoll erscheint zudem die Entscheidung, nicht mehr benötigte Konversionsliegenschaften in öffentlicher Hand (Brachflächen oder ursprünglich anderweitig genutzte Gebäude wie Kasernen) für neuen Wohnraum zu nutzen. Die Länder werden beim sozialen Wohnungsbau unterstützt, zudem soll zusätzlicher studentischer sowie generationen- und altersgerechter Wohnraums entstehen. Energieeffizientes Bauen und Sanieren soll weiterhin gefördert werden.

Die CDU, die SPD und die CSU wollen, dass die Mieten bezahlbar bleiben (hm, sind sie es denn überhaupt noch?) – und das Bestellerprinzip einführen! Außerdem soll künftig auch eine erfolgsunabhängige Honorierung der Makler möglich sein und Standards für den Maklerberuf geschaffen werden.

Die Städtebauförderung will die Regierung gemeinsam mit Bund, Ländern und Gemeinden im Dialog mit allen an der Stadtentwicklung beteiligten Akteuren weiterentwickeln und diese aktiv einbinden. Zudem wird das Programm „Soziale Stadt“ fortgeführt. Mit diesem Städtebauförderungsprogramm unterstützt der Bund seit 1999 die städtebauliche Aufwertung und die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in benachteiligten Stadt- und Ortsteilen.

Die Weichen scheinen aus unserer Sicht also in eine vernünftige Richtung zu weisen. Zudem freuen wir uns, dass die von uns angesprochene Lobbyarbeit der Immobilienmakler anscheinend nur begrenzten Einfluss hatte. Wir sind gespannt, was davon auch wirklich umgesetzt wird – und wer was umsetzt. Denn auch in der Politik besteht die Gefahr, dass viele Köche den Brei verderben oder keiner sich richtig verantwortlich fühlt. Sigmar Gabriel ist für Wirtschaft und Energie (Makler, Bauunternehmen und Gebäudesanierung?) zuständig, Thomas de Maizère für Inneres (Stadtentwicklung?), Heiko Maas für Justiz und Verbraucherschutz (Makler?), Andrea Nahles für Arbeit und Soziales (Makler und Stadtentwicklung?), Manuela Schwesig für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Generationengerechtes Bauen?), Barbara Hendricks für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (Konversionsflächen und Gebäudesanierung?). Und über allem schwebt natürlich Angie Merkel. Wer wird sich für welches Thema den Hut aufsetzen? Wir bleiben dran.

Hamburg und München engagieren sich für bezahlbare Mieten

(c) "aufm kiez" von glasseyes view, www.flickr.com/photos/axelhartmann, CC BY-SA 2.0

Erfreuliche Nachrichten gibt es aus Hamburg: Der Senat beschloss die Verlängerung der Umwandlungsverordnung. Damit kann die Stadt dem Abriss von Wohngebäuden, Luxusmodernisierungen mit entsprechenden Mietsteigerungen und der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen oder Büroräume entgegenwirken, um die bisherige Bewohnerstruktur zu erhalten. Eine Umwandlungsverordnung gibt es aktuell in der südlichen Neustadt, St. Georg, St. Pauli, im Schanzen- und im Osterkirchenviertel. Plant ein Eigentümer eine derartige Maßnahme, muss er diese beantragen und deren Auswirkung auf die Zusammensetzung der Bewohnerstruktur überprüfen lassen. Hamburg nutzt diese bundesweit eingesetzte Regelung bereits seit 1998 befristet auf jeweils fünf Jahre und hat sie nun bereits zum vierten Mal verlängert. Diese Entwicklung lässt hoffen!

Auch München versucht angesichts steigender Grundstückspreise und mangelndem Angebot, die Situation auf dem Münchner Wohnungsmarkt durch geeignete Maßnahmen zu verbessern. Das beschlossene Modell des konzeptionellen Wohnungsbaus sieht vor, dass 30 % der Grundstücksfläche zugunsten des Mietwohnungsbaus belegt werden. Gleichzeitig verzichtet die Stadt auf einen Preiswettbewerb und vergibt die Flächen zum aktuellen und damit günstigeren Verkehrswert, der unter Berücksichtigung der langfristigen Bindungen ermittelt wird. Den Zuschlag erhält derjenige Bewerber, der im Ausschreibungsverfahren das überzeugendste Konzept anbietet. Der Käufer ist dann verpflichtet, Mietwohnungen nach bestimmten Standards zu bauen, die innerhalb der nächsten 60 Jahre nicht in Eigentumswohnungen umgewandelt und auch nicht aus Eigenbedarf gekündigt werden dürfen. Die Erst- und Wiedervermietungsmiete ist an den Mietspiegel gekoppelt. Dieses Modell wird trotz der beschränkten Miethöhe durch den geringen Grundstückspreis attraktiv.

 

 

Foto: (c) ‘aufm kiez’ von glasseyes view, www.flickr.com/photos/axelhartmann, CC BY-SA 2.0-Lizenz

 

Immoscouts Städteranking

(c) "Regensburg Riverside" von b k, www.flickr.com/photos/joiseyshowaa, CC BY-SA 2.0

Auch Immonets großer Bruder Immoscout wartet mit einem neuen Ranking auf Basis einer Studie der Wirtschaftswoche auf, die 73 Städte in Deutschland vergleicht. Sieger ist mit dem höchsten wirtschaftlichen Niveau München. Besonders gut schneiden im Hinblick auf den attraktivsten Arbeitsmarkt und die höchste Lebensqualität die Städte Wolfsburg, Ingolstadt, Erlangen und Regensburg ab.

Diese Entwicklung spiegelt sich in den Immobilienpreisen wider. In Wolfsburg und Ingolstadt sind die Mieten in den letzten fünf Jahren um deutlich mehr als 30 % gestiegen. Dieses Problem kennt auch München, dessen Mietpreissteigerung sich bereits in die angrenzenden Gebiete auswirkt. Die ostdeutschen Städte dagegen haben ihr Aufholtempo in dieser Studie aus den letzten Jahren angeblich deutlich verlangsamt und befinden sich nur vereinzelt auf den vorderen Plätzen. Schlusslicht bilden die Städte Oberhausen, Herne und Gelsenkirchen.

Die Wirtschaftswoche führt diese Analyse bereits zum zehnten Mal durch, Immoscout beteiligte sich dieses Jahr das erste Mal und steuerte entsprechende Daten zu Mietpreisen und der Nachfragentwicklung bei. Insofern lässt sich annehmen, dass diese Standortbeschreibungen hilfreiche Informationen bieten. Inwieweit aber nun der Anstieg der Wohnungsmieten als positiver Indikator für einen Standort angesehen werden kann und nicht vielmehr zu einer Abwertung führt, erschließt sich uns nicht. Denn steigende Mieten führen schnell zu einer Gentrifizierung, so dass diejenigen Menschen, die den Charme eines Viertels ausmachen, abwandern. Und das wirkt sich dann wiederum schnell auf die Lebensqualität aus.

Die Studie findest Du hier.

 

Foto: (c) ‘Regensburg Riverside’ von b k, www.flickr.com/photos/joiseyshowaa, CC BY-SA 2.0-Lizenz

Immonets Städteranking

(c) "Leipzig" von !Koss, www.flickr.com/photos/immokoss, CC BY-ND 2.0

Um die emotionale Seite der Wohnortsuche zu betrachten, hatte das Immobilienportal Immonet eine Studie beim Meinungsforschungsinstitut GfK in Auftrag gegeben. 15 Städte wurden ausgesucht (Berlin, Bremen, Dortmund, Dresden, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig , München, Nürnberg, Stuttgart), in denen 1.500 Personen befragt wurden, wie zufrieden sie mit ihrer Stadt sind und was sie benötigen, um glücklich zu sein.

Rund 86 % der Befragten wünschen sich eine grüne Umwelt, lediglich 20 % wollen dagegen in einem hippen Szeneviertel wohnen. Die Erreichbarkeit des Arbeitsplatzes (65,2 %) und die Abdeckung mit Schulen/Kitas (35,8 %) werden als weniger wichtig angesehen. Den größten Einfluss auf die Wohnortzufriedenheit haben laut Immonet das hohe Ansehen und die Sicherheit, die zu zweimal mehr Zufriedenheit führen als andere Themen. Am Ende kommt es auf die richtige Mischung an. Leipzig landet auf dem ersten Platz, gefolgt von Köln und München. Leipziger lieben ihre Grünflächen, das positive Stadtimage, die herausragende Kinder- und Seniorenfreundlichkeit und die gute Infrastruktur. Das Schlusslicht bilden Duisburg und Nürnberg.

So schön Rankings auch sind, weil sie komplexe Themen auf einen Tabellenplatz reduzieren, so ist ihre Aussagekraft immer kritisch zu hinterfragen: Wenn 1.500 Menschen in 15 Städten befragt wurden, dann sind das im Schnitt gerade einmal 100 Personen pro Stadt. Okay, GfK wird natürlich eine repräsentative Auswahl getroffen haben. Und dennoch stellt sich die Frage, ob 100 Menschen ausreichen, um eine Stadt bewerten zu können und so eine Bewertung anzubieten, die dem Leser einen Mehrwert bietet.

Wenn für nur 35,8 % die Abdeckung mit Schulen und Kitas wichtig sind, scheint es, dass Familien bei den befragten Personen entsprechend (unter-)repräsentiert waren. Vielleicht hätte eine größere Stichprobe zu einem anderen Bild geführt. Sind die 100 befragten Personen repräsentativ für die Bevölkerung in Deutschland oder in der jeweiligen Stadt, geben die Ergebnisse mit anderen Worten eher Auskunft darüber, was für Menschen dort auf Basis der 100 befragten Personen derzeit leben, als Ausblicke in die Zukunft der jeweiligen Städte und damit eine Entscheidungshilfe dafür, welche der betrachteten Städte für Dich attraktiv sein könnte. Jungen Familien werden diese Ergebnisse auf jeden Fall kaum weiterhelfen.

Die Studie findest Du hier.

 

Foto: (c) ‘Leipzig’ von !Koss, www.flickr.com/photos/immokoss, CC BY-ND 2.0-Lizenz

Loftville wird eingestellt!

Letzte Woche erreichte uns die Nachricht, dass das Immobilienvermittlungsportal Loftville dicht macht. Wir hatten über Loftville bereits berichtet und unsere Bedenken geäußert. Diese Zurückhaltung wurde anscheinend von einigen Menschen geteilt. Denn Loftville warb damit, dass man, vereinfacht gesprochen, sich einen Vorteil als suchende Person erkaufen kann, indem man früher von Wohnungen erfährt und sich als Loftvillemitglied als solventer Mieter darstellt. Das Problem ist nur, dass hier versucht wurde, mit der Not der Suchenden Geld zu verdienen, ohne auch auf den Angebotsmarkt einzuwirken.

Dass derartige Konzepte glücklicherweise nur selten auf Gegenliebe stoßen und damit angeblich die vom Loftville-Exklusivpartner Immonet erhoffte schnelle Skalierung ausgeblieben ist, verwundert uns nicht. Der Wohnungsmarkt ist in den Ballungsgebieten nach wie vor ein Verkäufermarkt. Einzelne Personen hier gegen Geld zu bevorteilen, hat irgendwie einen komischen Beigeschmack. Uns schwebt da etwas anderes vor!

Vermieter sind wichtige Partner im Leben

Damit kein falscher Eindruck entsteht, möchte ich an dieser Stelle gerne eine Lanze für Vermieter brechen. Es versteht sich von selbst, dass es ohne sie keine Mietobjekte geben würde. Doch mehr noch können wir oftmals erst dank ihres Engagements die verschiedenen Lebensmodelle, die wir heute leben wollen, realisieren. Sie sind damit ein wichtiger Partner.

Und in der Tat ist es so, dass ich bisher nur gute Erfahrungen mit Vermietern gemacht habe – allen voran meine letzte Vermieterin. Sie hat sich alle Mieter persönlich ausgesucht und ein Hausmeisterehepaar fest angestellt, das jederzeit für alle Probleme zu erreichen war und bei Bedarf unkompliziert einen Handwerker hinzuzog. Als besondere Geste stellte sie jedes Jahr zum 1. Mai einen Sperrmüllcontainer in den Innenhof, damit jeder Mieter sich von überflüssigem Ballast in der Wohnung oder auf dem Dachboden kostenlos entledigen konnte. Abschließbare Fahrradcontainer und ein nur den Mietern zugänglicher Garten rundeten das Angebot ab. Hätte es samstags noch frische Handtücher und warme Brötchen gegeben, würde ich von einer Pension anstatt einem Mietshaus sprechen, in dem wir gelebt haben.

Es versteht sich von selbst, dass wir angesichts dieser Wertschätzung sorgfältig mit ihrem Eigentum umgegangen sind. Die Miete selbst lag übrigens unter (!) dem Mietspiegel, was aber bei unserer Entscheidung für diese Wohnung dann keine Rolle mehr gespielt hat, denn das Gesamtpaket stimmte einfach. Mit etwas Aufmerksamkeit gelingt sehr leicht eine für beide Seiten gute Zusammenarbeit.