Abzocke auf Immobilienportalen

(c) Fototastisch, Flickr.com

Wir sind auf einen interessanten Blog gestoßen: Auf wohnungsbetrug.blogspot.de werden Fake-Anzeigen gepostet, die Betrüger bei unseren Wettbewerbern Immoscout & Co. schalten, um an vertrauliche Daten und Dokumente bis hin zu Vorauszahlungen zu gelangen. Wie die unbekannte Bloggerin (ja, das geht anscheinend: sie umgeht ein auskunftgebendes Impressum, indem sie nur für Follower und Freunde schreibt, was wir in diesem Fall okay finden) schreibt, wird es allerdings immer schwieriger, diese Betrugsangebote zu erkennen, da die Betrüger Makleraccounts hacken, Fakeaccounts erstellen und seriöse Angebote komplett kopieren. Die Gefahr, dass Du auf eine derartige Anzeige stößt und womöglich reagierst, wird also mit anderen Worten weiter zunehmen.

Diese Entwicklung ist sehr unerfreulich. Auf der einen Seite fragt man sich, wieso Interessenten derart in Vorleistung gehen und nicht einfach die Finger von diesen Anzeigen lassen. Auf der anderen Seite wissen wir natürlich, wie knapp das Wohnungsangebot ist und dass es für einige Menschen einfach notwendig ist, eine Wohnung bis zu einem bestimmten Termin zu finden – mitunter bereits zum nächsten Monatsersten. Hinzu kommt, dass es ja leider auch schwarze Schafe unter den Immobilienmaklern gibt, die unberechtigt ähnliche Vorleistungen wünschen. Die Folge ist, dass derartige Forderungen in entsprechenden Anzeigen nicht mehr komplett abwegig klingen und sich einzelne darauf einlassen.

Profitieren werden nur die Anderen

Wir gehen davon aus, dass die Immobilienmakler dieses Mal ihre Finger nicht mit im Spiel haben. Dennoch sind sie diejenigen, die von diesen Falschmeldungen profitieren könnten: Wer nicht mehr zwischen Wahr oder Falsch unterscheiden kann oder will und eventuell dabei schon einmal auf die Nase gefallen ist, wird sich schließlich einen Experten auf diesem Gebiet suchen – und das sind natürlich die Makler. Verwunderlich ist nur, wie es passieren kann, dass derartige Anzeigen bei Immoscout & Co. mit einem Fake-Account erfolgreich geschaltet werden können. Denn eine Anzeige kostet bei diesen Plattformen in der Regel Geld, so dass hier verschiedene Sicherheitsmechanismen denkbar sind. Auf der anderen Seite profitieren Immoscout & Co. von diesen Anzeigen – quantitativ, weil sie das Angebot einfach künstlich vermehren, und oft auch qualitativ, weil sie mit ansprechenden Fotos die Optik und das gefühlte Angebot der Plattform bereichern. Dass dahinter dann nur heiße Luft ist, merken einige Nutzer leider erst zu spät. Das ist eine Entwicklung, die ganz klar zu Lasten der Suchenden und ehrlichen Anbieter geht.

 

Foto: (c) “Wohnzimmer” von Fototastisch, www.flickr.com/photos/fototastisch/, CC BY 2.0-Lizenz

Willkommen im Reich der Hobby-Werber

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Immobilienportale sind kreative Orte: Botschaften-geschwängerte Überschriften – gern auch in Großbuchstaben – sollen im Kampf um die Aufmerksamkeit das Interesse auf die einzelne Anzeige lenken. Doch was bei Aale-Dieter auf dem Hamburger Fischmarkt funktioniert, passt nicht zum Web, in dem die teilweise übelriechende Wahrheit oft schon einen Klick weiter wartet.

Für gute Lagen muss nicht viel getan und nachgedacht werden, denn dort lässt sich die letzte Abstellkammer leicht vermieten. „Wohnung zur Miete nur engagierte Menschen bestimmt“ und „Alster vor Schönheit“ sind zwei schöne Beispiele sinnfreier Titel. Die„außergewöhnliche Designerwohnung in HH-Ottensen“ zeigt noch Baustellenfotos (Bezieht sich darauf vielleicht dieser Tweet „ENDETAGE – ALLES PERFEKT FÜR UNS GEMACHT” mutet wie eine versteckte Kontaktanzeige an und die „Exclusive Dachgeschosswohnung mit direktem Elbblick“ bietet leider nur zwei Dachschrägenfenster, so dass die als eher anspruchsvoll zu bezeichnende Miete anscheinend gleich eine Haftpflichtversicherung für Dachkletterer berücksichtigt. Die „Gemütliche Souterrainwohnung mit Terrasse in Ottensen“ eröffnet dagegen einen direkten Blick aus dem Bett – allerdings nur unter die direkt davor parkenden Autos (Wer will heute schon noch mit offenem Fenster schlafen?!).

Auch bei weniger gesuchten Lagen wird diese Technik eingesetzt. Die Ernüchterung erfolgt allerdings gleich bei der Immobilienbeschreibung: Hinter der Überschrift „Jetzt zugreifen: ansprechende 3-Zimmer-Wohnung – provisionsfrei“ verbirgt sich eine Wohnung in einem freundlich als schlicht zu bezeichnenden Wohnkomplex direkt an der Kieler Ortsdurchfahrt, für die zudem ein Wohnberechtigungsschein nötig ist (Innenansichten der Wohnung sind natürlich nicht hinterlegt). Das angebliche „Familienglück: weitläufige 4-Zimmer-Wohnung“ und dazu auch noch provisionsfrei in Bonn sieht auf den drei Fotos sehr ähnlich (un)attraktiv aus, so dass es ein paar weiterer Erklärungen Bedarf, wie hier Familienglück entsteht – die natürlich fehlen.

Diese Masche war früher in Printanzeigen gängig, um Interessenten erst einmal anzulocken, die dann vielleicht enttäuscht, aber angesichts der Anfahrt kompromissbereiter waren. Im Internetzeitalter mit seiner großen Daten- und Informationsfülle verwundert es, dass noch immer so vorgegangen wird, denn derartige Überschriften sind leicht zu entlarven. Was hier unterhaltsam klingt, kann denjenigen, der unter Zeitdruck auf der Suche ist, das Immobiliensurfen schnell vermiesen. Wir meinen, dass das deutlich besser geht, und arbeiten gerade daran.

 

Foto: (c) “Neues kommt, Altes geht” von Thomas Kohler, www.flickr.com/photos/mecklenburg/, CC BY-SA 2.0-Lizenz

Wohnungen besichtigt man am Besten wochentags in der Mittagszeit

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Wenn es endlich mit einem individuellen (!) Besichtigungstermin klappt, dann gilt: Wohnung wochentags bei Tageslicht besichtigen, um die Lichtverhältnisse zu erleben, etwaige Mängel zu sehen, die sich im Dunklen oftmals gut verstecken lassen, und das Umfeld direkt zu erleben. Ein Zollstock ist immer ein guter Begleiter, um gleich zu überlegen, wo das Lieblingsmöbelstück stehen könnte, und der Wohnung so die eigene Atmosphäre zu geben. Türen und Fenster solltest Du unbedingt öffnen, um zu sehen, ob sie sich ganz aufmachen und richtig schließen lassen. Zudem bedenke vorher, mit wem Du sprichst: Ein Makler will eher möglichst schnell einen Vertrag schließen, ein Vermieter dagegen einen geeigneten Mieter finden.

 

Foto: (c) “toGo” von Jochen Handschuh, www.flickr.com/photos/to01/, CC BY 2.0-Lizenz

Und wo wohnst Du?

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Gestern Abend hatte ich ein typisches Gespräch mit neuen Bekannten: „Wo wohnt Ihr?“ „In xyz.“ (In diesem Fall in Schenefeld, einem Gebiet kurz hinter der Hamburger Stadtgrenze, das verwaltungstechnisch in Schleswig-Holstein liegt, aber unmittelbar in das Hamburger Stadtgebiet übergeht.) „Kommt Ihr von dort?“ „Nein. Wir waren längere Zeit auf der Suche. Freunde von uns wohnen in der Nachbarschaft und haben uns dann auf dieses Haus hingewiesen – ansonsten wären wir nie auf die Idee gekommen, dorthin zu ziehen. Und nun wohnen wir schon zehn Jahre zufrieden dort.“ Was hier passiert ist, ist typisch: Oftmals sind es Freunde und Bekannte, die anderen dabei behilflich sind, eine neue Bleibe zu finden, in der sie sich wohlfühlen.

Berlin-Charlottenburg – oder vielleicht doch Süderbrarup?

Diese Empfehlungen sind sehr wichtig, denn man vertraut Freunden und Bekannten eher als Imagemagazinen, Anzeigen und Maklern. Der Ruf und die Wirklichkeit eines Wohngebiets können weit auseinanderklaffen. Bei „Bielefeld? Das gibt es doch gar nicht!“ verdrehen einheimische genervt die Augen. Auch Wanne-Eickel, Castrop-Rauxel, Pinneberg oder Süderbrarup gelten bei einigen nicht gerade als Sehnsuchtsorte – ohne dass man jemals vor Ort die lebenswerten Ecken erkundet hat. Doch was hier sehr fern und deshalb für Dich vielleicht unbedeutend klingt, gilt genauso innerhalb von Stadtgrenzen: In Hamburg würden viele Menschen, die nördlich der Elbe wohnen, niemals auf die Idee kommen, nach Wilhelmsburg zu ziehen, obwohl dort in den letzten Jahren der an sich schon vielerorts attraktive Wohnraum deutlich aufgewertet wurde. Für viele Berliner liegen zwischen Charlottenburg und den Plattenbauten in Marzahn ähnliche gedankliche Welten. Wer kann da glaubwürdigere Brücken bauen als Freunde und Bekannte, die beides kennen: Die Gegend, den vorhandenen Wohnraum und die Person?! Freunde und Bekannte sind damit ein wichtiger Mittler für die nächste Wohnung, damit das Einziehen (Vor-)Freude bereitet.

 

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