Alles eine Frage der Perspektive

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Wir hatten es im letzten Newsletter schon angesprochen: Ein großes Problem am Immobilienvermittlungsmarkt ist, dass Anbieter und Nachfrager nicht immer die gleiche Sprache sprechen. Vermieter ohne Leidenschaft für das (Ver-)Mietobjekt denken in erster Linie an ihre Rendite, Mieter dagegen in den meisten Fällen daran, dass sie sich wohlfühlen wollen. Treffen diese beiden Gruppen aufeinander, können schnell Differenzen in Bezug auf das Mietobjekt auftreten.

Um zwischen diesen Perspektiven zu vermitteln, werden oftmals Makler eingeschaltet. Doch anstatt sich als Mittler zwischen diesen verschiedenen Positionen in die Kommunikation einzubringen, stellen sie sich oftmals auf die Seite des vermeintlich Stärkeren, um so schnell Umsatz zu generieren. Welche obskuren Verkaufsargumente das zur Folge haben kann, zeigt “Katja Berlin” auf dieser Karte. Unsere oben angebotene Wohnung in Hamburg dürfte sich damit im Maklerjargon irgendwo im Speckgürtel von Berlin befinden.

Auch die Vorstellung dessen, was eine Familie benätigt, kann weit auseinander klaffen. So postet ebenfalls “Katja Berlin” auf Twitter:

“drücken wir es mal vornehm aus: makler, die eine 62 qm große wohnung mit “familienglück” betiteln, bestärken mich in meinen vorurteilen.”

Hier wird die Stärke der einen Seite gnadenlos ausgespielt und den Suchenden in diesem Beispiel mit Inkompetenz und/oder Zynismus begegnet. Dabei würden beide Seite von gegenseitiger Wertschätzung profitieren – auch und vor allem finanziell. Vermietern, die ihren (potenziellen) Mietern fair gegenüber treten, werden wir bei naapuri einen besonderen Platz einräumen.

 

Grafik: (c) Katja Dietrich auf Graphitti-Blog

Nachmieter in zentraler Lage in Berlin gesucht

Kanzleramt

Traumwohnung über den Dächern Berlins: 200 qm, sehr zentral, perfekte Anbindung an den Nah- und Fernverkehr und dennoch im Grünen gelegen, komplett ruhig, mit phantastischem Blick über Berlin. Das Objekt befindet sich auf dem Foto in dem großen Gebäude mit dem Fensterbogen. Für besondere Gäste ist ein Hubschrauberlandeplatz direkt im Hinterhof vorhanden. Der Zeitmietvertrag über 4 Jahre kann unter bestimmten Bedingungen verlängert werden. Einzug: nach der Bundestagswahl!

Okay, Du wirst es schon geahnt haben: Das Apartment im Bundeskanzleramt können wir hier natürlich leider nicht mehr vermitteln, denn die Bewerbung dafür ist bereits gelaufen. Ob die derzeitige Mieterin, Frau A. Merkel, die die Wohnung laut Medienberichten gar nicht nutzt, dort wohnen bleiben darf oder Herr P. Steinbrück demnächst einzieht, darüber entscheiden wir alle als Besitzer dieser Immobilie mit unserem Kreuz am 22. September. Was dürfen wir uns von diesen beiden potenziellen Mietern und ihren Partnern für den Wohlfühlwohnraummarkt erwarten?

Die CDU bietet in Angie-Manier nichts greifbares, deutet aber eine Nähe zur Wirtschaft und ihren Interessen an, die FDP will Immobilien als Investitionsobjekte schätzen. Nach dem Willen von SPD und Grüne soll derjenige den Makler bezahlen, der ihn beauftragt hat. Zudem wollen die Grünen immerhin der Mietpreisschraube nach oben hin weitere Grenzen setzen, damit Wohnraum bezahlbar bleibt. Das Grundbedürfnis Wohnen wird also auch künftig als Spekulationsobjekt mit Mietern als notwendiges Übel dienen können. Eine für den Wohlfühlwohnraummarkt zuversichtliche Zukunft sieht anders aus!