Der Gentrifizierung entgegenbauen

(c) carstenbach, www.flickr.com/photos/carstingaxion/

Im Verlauf des Lebens verändern sich Anforderungen und Bedarfe an benötigten und gewollten Wohnraum. Erst kommt der oder die Partnerin hinzu, dann können Kinder die Familie erst vergrößern und später wieder verkleinern, so dass sich der Platzbedarf wandelt. Hinzu kommt die Herausforderung im Alter, dass so manche Person nicht mehr uneingeschränkt mobil und deshalb auf barrierefreien Wohnraum angewiesen ist.

Die Flexibilität des Wohnungsmarktes ist eine Lösung, diesen familiären und persönlichen Veränderungen zu begegnen. In Berlin, Hamburg und anderen Städten entstehen als andere Möglichkeit seit einigen Jahren neue Bauprojekte, die der Gentrifizierung entgegenwirken können. Interessenten finden sich zusammen und entwickeln und realisieren Konzepte wie Generationenhäuser, Wohnquartiere, Nachbarschaftshäuser. Die Ideen dahinter sind vielfältig, der Ansatz aber oft ähnlich: Menschen suchen sich gemeinsam – im Optimalfall gleich in ihrem Viertel – ein Baugrundstück, das sie mit einem Mehrparteienhaus selbst bebauen (lassen).

Anders als bei Bauvorhaben durch Bauunternehmer, die schnell die Gentrifizierungsgegner auf die Straße rufen, sind einige diese Projekte damit gezielt darauf angelegt, das Viertel mit seinem Milieu zu sichern, indem diejenigen, die schon lange hier leben, sich hier dauerhaft niederlassen. Dass Gentrifizierungsgegner nicht immer diesen Unterschied wahrnehmen und deshalb zur Stimmungsmache auch gegen derartige Bauvorhaben aufrufen, bleibt nicht aus und ist dem Zeitgeist geschuldet.

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(c) “Tischtennis” von Carsten Bach, www.flickr.com/photos/carstingaxion/, CC BY 2.0.de

Je intensiver die Gemeinschaft ist, desto leichter lassen sich besondere Akzente setzen. Eine Schmutzschleuse, eine Gemeinschaftsküche und ein WC im Erdgeschoss sind sinnvolle Elemente, wenn das Grundstück oder der Innenhof für gemeinsame Feste und zum Spielen unkompliziert genutzt werden soll. Großzügige, ebenerdige Fahrradräume oder gleich Platz für eine Krippe, ein (eigenes) Geschäft oder andere zusätzliche Angebote sind denkbar, um das Gebäude mit dem Viertel zu verknüpfen. Die Überlegung, einen Fahrstuhl zu integrieren, findet um so eher Zustimmung, je mehr die einzelnen Menschen in diesem Haus alt werden möchten.

Besonders interessant werden diese Bauprojekte, wenn sie so flexibel entwickelt sind, dass sich Wohnungen ohne Probleme verkleinern, vergrößern oder zusammenlegen lassen und die neue Raumaufteilung von sich aus ihren eigenen Charme besitzt. Die Konzepte sind so zu entwickeln, dass man nicht auf einmal vor einer Wand steht, die dem Raumempfinden widerspricht. Verschlossene Durchgänge sollten nicht mehr als solche erkennbar sein. Und eine Küche muss problemlos sinnvoll nachgerüstet werden können. Auch an entsprechende Bäder(-vorrichtungen) ist zu denken. Am einfachsten lässt sich dies natürlich mit einem langen Wohnungsflur an der Außenwand erreichen, von dem aus alle Räume auf der anderen Seite abgehen. Aber ob dieser Grundriss dazu geeignet ist, Wohnatmosphäre zu schaffen, bleibt abzuwarten. Individuelle, unterschiedliche Konzepte sind hier gefragt und bieten für (Innen-)Architekten vielfältige Möglichkeiten, sich ein Denkmal zu setzen.

 

Titelfoto: (c) “Hauseingang 127 mit Kicker und Affenkunst” von Carsten Bach, www.flickr.com/photos/carstingaxion/, CC BY 2.0.de

Architektur- und Designfestivals bieten viele neue Ideen!

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Im Herbst finden zahlreiche Architektur- und Design-Festivals statt: Paris, London, Helsinki, Wien, Budapest, um hier nur ein paar der Events allein in Europa zu nennen, von den Festivals in Asien und Amerika ganz zu schweigen. Wie versprochen schauen wir nach der Maison & Objet im letzten Newsletter dieses Mal in die britische Hauptstadt auf das London Design Festival 2013.

Was hat das Jahr noch zu bieten? Hier findet Ihr ein paar Termine:

 

Foto: (c) “Caravaggio designed by Cecilie Manz” von Lightyears.dk, www.flickr.com/photos/lightyearsdk/, CC BY-ND 2.0.de

Dort anfangen, wo andere (zum Glück) aufgehört haben

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Einem spannenden Thema widmet sich die Tallin Architecture Biennale: Recycling Socialism. Das Talliner Architekturfestival sucht nach neuen Lösungen für sozialistische Architektur, die die Sowjets in der estländischen Hauptstadt hinterlassen oder zumindest beeinflusst haben. Die Kuratorinnen möchten dem sowjetischen Stadtraum neuen Sinn geben und es besser in die gegenwärtige Stadt integrieren. Die Frage, wie man unattraktiv gewordene Stadtentwicklungsprojekte in die Neuzeit überführen kann, ist eine Aufgabe, vor der viele Städte stehen. Die Auseinandersetzung in Tallinn kann hilfreiche Anregungen geben, wie man sich derartigen Bauprojekten nähert.

Unsere Reise durch die Festivals werden wir auch im nächsten Newsletter fortsetzen und für Dich einen Blick auf die Vienna Design Week (27.9.-6.10.2013) und die Trienal de Arquitectura de Lisbon (12.9.-15.12.2013) werfen.

 

Foto: (c) Maris Hellrand, www.tab.ee