Deutschland, wo wohnst Du?

(c) onnola, www.flickr.com/photos/30845644@N04/

Eine aktuelle Immobilienmarktlandkarte entwirft das neue Heft Immobilien der Stiftung Warentest für Deutschland. Hamburg hat danach mit 1,5 % den geringsten Leerstand aller Großstädte, der Deutsche Mieterbund spricht im Mai sogar von nur 0,7 %. Gründe dafür sind der Zuzug und die Tatsache, dass in Hamburg mehr Menschen geboren werden als zugleich sterben.

Eine dreiprozentige Fluktuationsreserve wird von vielen Experten als Merkmal eines funktionstüchtigen Marktes angesehen. Diese Reserve ist ganz einfach notwendig, damit Menschen um- oder zuziehen sowie Häuser saniert und modernisiert werden können. Deshalb verwundert es nicht, dass das Magazin DEAL von einer Steigerung der Erstbezugsmieten am – wenig ruhmvollen – Spitzenplatz Hamburg von 40 % innerhalb der letzten fünf Jahre berichtet, Stiftung Warentest spricht von immerhin 26 %. Die Welt betitelt deswegen die Test-Ergebnisse zu Recht mit „Stiftung Warentest – Wohnungssuche nirgends so schwer wie in Hamburg“.

Situation ermuntert Betrüger

Die Situation in Hamburg ist damit wie in den anderen begehrten Metropolen Deutschlands für Suchende schwierig. Kein Wunder, dass immer öfter Betrüger die Wohnungsnot ausnutzen, wie wir bereits berichteten (“Abzocke auf Immobilienportalen“). Attraktive Fake-Angebote sollen den Jagdinstinkt von Suchenden wecken. Oder Suchende werden direkt angesprochen und versucht, ihre Zwangslage auszunutzen. Das Ziel der Betrüger ist es, die Suchenden zu einer finanziellen Vorableistung zu bewegen, nach der das Geld weg, der persönliche Wohnraumbedarf aber leider weiterhin vorhanden ist. Wir empfehlen Dir dringend, Dich niemals auf Vorauszahlungen einzulassen. So etwas ist immer unseriös.

Wird Angie den Mietern helfen?

(c) Naapuri

Interessant ist deswegen natürlich die Frage, wer das Land in den nächsten vier Jahren regieren wird. Durch das Scheitern der FDP (vielleicht an sich selbst, vor allem aber mengenmäßig an eigenen Wählern) sollte sich die Mietersituation zumindest nicht weiter verschlechtern. Ob sie sich vielleicht sogar verbessert, hängt nun von der neuen Regierungsformation ab. Wer für welche Position steht, wo Gemeinsamkeiten und wo Unterschiede sind, kannst Du hier lesen.

 

Titelfoto: (c) “Bernau – Altes Schulhaus” von onnola, www.flickr.com/photos/30845644@N04/, CC BY-SA 2.0.de

Selbstkritisches Denken erwünscht

Das Amtsgericht München hatte in einem Fall zu entscheiden, in dem der Mieter einer öffentlich geförderten Wohnung diese untervermietet hatte, ohne seine Vermieterin darüber zu informieren. Dumm nur, dass der Untermieter bei einer Befragung in einem anderen Zusammenhang gegenüber der Polizei diese Wohnung als Wohnsitz angab und dabei darauf hinwies, dass der Mieter ihm untersagt hätte, sich dort anzumelden. Die Vermieterin kündigte dem Mieter daraufhin unserer Meinung nach zu Recht fristlos – und das sah auch das Gericht so.

Dass sich angesichts dieser Sachlage ein Mieterverein gegen die fristlose Kündigung ausspricht, weil dieser erst eine Abmahnung vorausgehen müsse, können wir nicht nachvollziehen: Wenn wir wollen, dass Vermieter fair mit ihren Mietern umgehen und sie nicht als notwendiges Übel zur Erzielung einer maximalen Rendite ansehen, dann gilt das unserer Meinung nach in gleicher Weise auch für Mieter. Auch sie sollten mit dem Mietobjekt verantwortungsvoll umgehen, was hier sowohl gegenüber der Vermieterin, als auch gegenüber dem Untermieter eindeutig nicht der Fall war.

Abzocke auf Immobilienportalen

(c) Fototastisch, Flickr.com

Wir sind auf einen interessanten Blog gestoßen: Auf wohnungsbetrug.blogspot.de werden Fake-Anzeigen gepostet, die Betrüger bei unseren Wettbewerbern Immoscout & Co. schalten, um an vertrauliche Daten und Dokumente bis hin zu Vorauszahlungen zu gelangen. Wie die unbekannte Bloggerin (ja, das geht anscheinend: sie umgeht ein auskunftgebendes Impressum, indem sie nur für Follower und Freunde schreibt, was wir in diesem Fall okay finden) schreibt, wird es allerdings immer schwieriger, diese Betrugsangebote zu erkennen, da die Betrüger Makleraccounts hacken, Fakeaccounts erstellen und seriöse Angebote komplett kopieren. Die Gefahr, dass Du auf eine derartige Anzeige stößt und womöglich reagierst, wird also mit anderen Worten weiter zunehmen.

Diese Entwicklung ist sehr unerfreulich. Auf der einen Seite fragt man sich, wieso Interessenten derart in Vorleistung gehen und nicht einfach die Finger von diesen Anzeigen lassen. Auf der anderen Seite wissen wir natürlich, wie knapp das Wohnungsangebot ist und dass es für einige Menschen einfach notwendig ist, eine Wohnung bis zu einem bestimmten Termin zu finden – mitunter bereits zum nächsten Monatsersten. Hinzu kommt, dass es ja leider auch schwarze Schafe unter den Immobilienmaklern gibt, die unberechtigt ähnliche Vorleistungen wünschen. Die Folge ist, dass derartige Forderungen in entsprechenden Anzeigen nicht mehr komplett abwegig klingen und sich einzelne darauf einlassen.

Profitieren werden nur die Anderen

Wir gehen davon aus, dass die Immobilienmakler dieses Mal ihre Finger nicht mit im Spiel haben. Dennoch sind sie diejenigen, die von diesen Falschmeldungen profitieren könnten: Wer nicht mehr zwischen Wahr oder Falsch unterscheiden kann oder will und eventuell dabei schon einmal auf die Nase gefallen ist, wird sich schließlich einen Experten auf diesem Gebiet suchen – und das sind natürlich die Makler. Verwunderlich ist nur, wie es passieren kann, dass derartige Anzeigen bei Immoscout & Co. mit einem Fake-Account erfolgreich geschaltet werden können. Denn eine Anzeige kostet bei diesen Plattformen in der Regel Geld, so dass hier verschiedene Sicherheitsmechanismen denkbar sind. Auf der anderen Seite profitieren Immoscout & Co. von diesen Anzeigen – quantitativ, weil sie das Angebot einfach künstlich vermehren, und oft auch qualitativ, weil sie mit ansprechenden Fotos die Optik und das gefühlte Angebot der Plattform bereichern. Dass dahinter dann nur heiße Luft ist, merken einige Nutzer leider erst zu spät. Das ist eine Entwicklung, die ganz klar zu Lasten der Suchenden und ehrlichen Anbieter geht.

 

Foto: (c) “Wohnzimmer” von Fototastisch, www.flickr.com/photos/fototastisch/, CC BY 2.0-Lizenz