Nach der Wahl ist zum Glück nicht vor der Wahl

(c) Naapuri

Durch das Scheitern der FDP (vielleicht an sich selbst, vor allem aber an genügend Wählern) sollte sich die Mietersituation zumindest nicht weiter verschlechtern. Ob sie sich vielleicht sogar verbessert, hängt nun von der neuen Regierungsformation ab, wie wir bereits skizziert hatten (Nachmieter in zentraler Lage in Berlin gesucht).

Wagt die CDU eine Minderheitsregierung, dann würde das Ergebnis in diesem Fall offen sein, da alle Themen rund um die Miete gut als Tauschgeschäft für eine andere Zustimmung denkbar sind nach dem Motto: „Wenn Ihr bei diesem Thema unserer Linie folgt, dann können wir gerne im Gegenzug die Mietpreisbremse in Eurem Sinne gestalten.“

Mietsteigerung bei Mieterwechsel bleibt begrenzt

Union, SPD und die Grünen sind auf jeden Fall einer Meinung, dass es bei einem Mieterwechsel maximal 10 % Mietsteigerung über der ortsüblichen Vergleichsmiete geben darf. Die Linke schließt Mieterhöhungen bei einer Neuvermietung kategorisch aus. Was das im Falle einer rot-rot-grünen Koalition bedeuten würde, bleibt abzuwarten.

Keine Mieterhöhungen bei Luxussanierung wollen die Grünen

Die CDU beansprucht für sich die Neuregelung, dass Länder derzeit die Möglichkeit haben, in Gebieten mit knappem Wohnraumangebot die Grenze für Mieterhöhungen innerhalb von drei Jahren auf 15 % zu begrenzen (vorher waren es 20 %). Die SPD will diesen Zeitraum laut der FAZ vom 30.9.2013 („Die Koalition für die Mietbremse steht schon“) auf vier Jahre verlängern, Aussagen dazu gibt es im Wahlprogramm aber nicht. Geht es nach den Grünen, dann soll der Mietanstieg in laufenden Verträgen durch die Drosselung der regelmäßigen Erhöhung der ortsüblichen Vergleichsmiete gebremst werden, was also auch für stärke Mietpreisbremsen als die der CDU spricht. Darüber hinaus findet man bei ihnen die Forderungen, dass Mieterhöhungen im Zuge von Modernisierungen auf maximal 9 % der Kosten pro Jahr für energetische Sanierungen und altersgerechte Umbauten beschränkt sind. Sogenannte Luxussanierungen werden damit erschwert. Die Linken gehen noch einen Schritt weiter und fordern, dass Nettokaltmieten in bestehenden Mietverhältnissen ohne maßgebliche Wohnwertverbesserung nur im Rahmen des Inflationsausgleichs maximal bis zur Höhe der ortsüblichen Vergleichsmiete erhöht werden dürfen. Zudem wird den Kommunen das Recht eingeräumt, Höchstmieten auf Grundlage der Mietspiegel festzulegen. Ähnliches planen auch die Grünen, die den Kommunen die Möglichkeit geben wollen, Mietobergrenzen einzuführen.

Weitgehend Einigkeit herrscht bei der Maklergebühr

Einig sind sich dagegen SPD, Grüne und Linke, dass derjenige den Makler bezahlt, der ihn bestellt. Die CDU bezieht dazu in ihrem Wahlprogramm nicht eindeutig Stellung. Da diese Meinung aber dem Zeitgeist entspricht und nur Lobbyisten dieser widersprechen, ist davon auszugehen, dass Angie im Fall einer Regierungsbeteiligung diese Position für sich zu nutzen weiß.

Es bleibt also spannend!

Nachmieter in zentraler Lage in Berlin gesucht

Kanzleramt

Traumwohnung über den Dächern Berlins: 200 qm, sehr zentral, perfekte Anbindung an den Nah- und Fernverkehr und dennoch im Grünen gelegen, komplett ruhig, mit phantastischem Blick über Berlin. Das Objekt befindet sich auf dem Foto in dem großen Gebäude mit dem Fensterbogen. Für besondere Gäste ist ein Hubschrauberlandeplatz direkt im Hinterhof vorhanden. Der Zeitmietvertrag über 4 Jahre kann unter bestimmten Bedingungen verlängert werden. Einzug: nach der Bundestagswahl!

Okay, Du wirst es schon geahnt haben: Das Apartment im Bundeskanzleramt können wir hier natürlich leider nicht mehr vermitteln, denn die Bewerbung dafür ist bereits gelaufen. Ob die derzeitige Mieterin, Frau A. Merkel, die die Wohnung laut Medienberichten gar nicht nutzt, dort wohnen bleiben darf oder Herr P. Steinbrück demnächst einzieht, darüber entscheiden wir alle als Besitzer dieser Immobilie mit unserem Kreuz am 22. September. Was dürfen wir uns von diesen beiden potenziellen Mietern und ihren Partnern für den Wohlfühlwohnraummarkt erwarten?

Die CDU bietet in Angie-Manier nichts greifbares, deutet aber eine Nähe zur Wirtschaft und ihren Interessen an, die FDP will Immobilien als Investitionsobjekte schätzen. Nach dem Willen von SPD und Grüne soll derjenige den Makler bezahlen, der ihn beauftragt hat. Zudem wollen die Grünen immerhin der Mietpreisschraube nach oben hin weitere Grenzen setzen, damit Wohnraum bezahlbar bleibt. Das Grundbedürfnis Wohnen wird also auch künftig als Spekulationsobjekt mit Mietern als notwendiges Übel dienen können. Eine für den Wohlfühlwohnraummarkt zuversichtliche Zukunft sieht anders aus!