Wenn Immobilienmakler gemeinsame Sache machen, entsteht selten etwas Gutes

Nimmt man den Immobilienmarkt etwas genauer unter die Lupe, dann kann man sich einfach nur die Haare raufen. In vielen Metropolen besteht ein klassischer Anbietermarkt: Es gibt in vielen Preissegmenten weniger Wohnungen, als nachgefragt werden – in einigen Bereichen sogar viel zu wenige. Ein Wohnungsanbieter muss folglich einfach nur drei beliebige Menschen auf der Straße ansprechen und die Wohnung dürfte im Nu an eine Person aus deren Bekanntenkreis vergeben sein. Doch da einige von ihnen keine Lust haben, sich diese Mühe zu machen (oder zu unkreativ sind, andere stress- und aufwandsminimale Wege zu gehen), beauftragen sie einen Makler.

Das ist erst einmal nichts Verwerfliches, wenn der Vermieter die Kosten dafür selbst trägt. Denn wenn man Objekte vermietet, dann gehört der Vermietungsprozess natürlich mit zum Geschäft. Wer diesen Aufwand scheut, verzichtet dafür in der Regel auf einen Teil seiner Marge oder schlägt diese Kosten direkt auf den Mietpreis drauf, so dass dieses Objekt dann im direkten Vergleich etwas teurer ist. Das gilt aber anscheinend nicht für Immobilien, bei denen diese Kosten in vielen Fällen dem Mieter losgelöst vom monatlichen Mietpreis als Sonderkosten einfach aufgedrückt werden. Der Mieter hat also in diesem Fall neben der Wohnung und der Kaution auch noch die Maklercourtage zu stemmen. In diesem Fall aber sind die Makler lediglich die Agenten der Wohnungsanbieter, die sich als Verwalter des begrenzten Angebots einschalten. Die Wohnungsknappheit wird damit nicht beeinflusst, lediglich die Ansprechpartner wechseln – und das auch noch kostenpflichtig.

Makler des Maklerangebots verknappen künstlich das Angebot

Allein das reicht schon aus, um sich die Haare zu raufen. Doch es geht noch schlimmer. Nun hatten kreative Geschäftsleute aber eine Idee, wie man dieses knappe Wohnungsangebot weiter verknappen kann, um so zusätzliches Geld zu verdienen – natürlich auf Kosten der potenziellen Mieter – , so dass man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln kann. Einer dieser Anbieter ist Loftville. Loftville bietet die Chance, dass man gegen eine monatliche Gebühr einen bestimmten Zeitpunkt vorher von einer neuen Immobilie erfährt, bevor sie also für alle sichtbar auf Immoscout veröffentlicht wird. Neben der Miete, der Kaution und der eventuellen Maklercourtage wird in diesem Fall noch eine Gebühr dafür fällig, dass man ein Vorgriffsrecht auf bestimmte Informationen hat. Abgesehen davon, dass diese Abzocke echt bedenklich ist, so hat sie noch einen Haken: Dieses Angebot macht nur dann Sinn, wenn damit auch eine gewisse Exklusivität geboten wird, denn das Wohnungsangebot bleibt ja weiterhin unverändert knapp. Aber je mehr Suchende diesen Service nutzen, desto weniger wird er mir nützen, weil ich dann auch weiterhin einer unter vielen bin. Und wie viele gemeinsam mit mir diese Anzeige erhalten, das wird natürlich nicht verraten. Die Zahl dieser Personen sichtbar zu begrenzen, wäre eine Möglichkeit, aber dann hätten Anbieter wie Loftville sicherlich bald ein Problem mit ihrem Geschäftsmodell, denn das begrenzte Wohnraumangebot verändern sie selbst ja nicht. Die Idee ist gewieft – und gleichzeitig ein wirklich erschreckender Auswuchs des Kapitalismus.

Test: nicht bestanden

Da Frank aus unserem Team selbst auf der Suche nach neuem Wohnraum ist, haben wir natürlich gleich diesen Wettbewerber getestet. Sicherlich werden hier Erfahrungen vom Einzelfall abhängen. Aber in unserem Fall wurde Frank von Loftville auf eine neu eingestellte Immobilie per E-Mail hingewiesen – von der er bereits zehn Minuten vorher über Immoscout selbst erfahren hat. Mit der Exklusivität hat es in diesem Fall also nicht wirklich geklappt. Das geht besser. Lasst uns das gemeinsam ändern.

Bemerkenswert: Maklercourtage bleibt im Gespräch

Eigentlich muss man ja vor der Immobilienmaklerlobby den Hut ziehen: Seit über vierzig Jahren sieht dasGesetz zur Regelung der Wohnungsvermittlung vor, dass Wohnungsvermittler vom Wohnungssuchenden für ihre Leistung einen bestimmten Betrag fordern dürfen. Diese Regelung hat nach wie vor Bestand. Es scheint fast, als wenn dort deren Lobbyisten ihre Finger ihm Spiel haben …

Damit soll nun Schluss sein. Denn in der Zwischenzeit hat selbst die Politik erkannt, dass diese Gesetzeslage eine dermaßen große Schieflage hat, dass man sie den Menschen nicht mehr verkaufen kann. Im Oktober 2012 hat das Land Nordrhein-Westfalen den Vorstoß gewagt, die längst überfällige Gesetzeslage zu ändern. Denn der Regierung ist aufgefallen, dass tatsächlich überwiegend die Wohnraum-Anbieter die Vermittler beauftragen, die Suchenden aber in diesen Fällen oft die Zeche zahlen sollen. Künftig soll es nun so sein, dass diejenigen die Kosten zu tragen haben, die den Vermittler beauftragen.

Alles bleibt beim Alten – für die Makler!

Diese Überlegung hört sich auf den ersten Blick plausibel an, weil sie gerecht ist. Aber auf den zweiten Blick verliert sie ihren Charme, denn sie wird bereits heute vielfach gelebt: Bereits jetzt ist es in der Regel so, dass in gefragten Wohngegenden der Mieter und in weniger gefragten Lagen der Anbieter den Vermittler bezahlt. Dass ein Makler in einer weniger attraktiven Gegend ein wertvoller Helfer sein kann, um Wohnraum (neu) zu vermieten oder zu verkaufen, liegt auf der Hand. Die Attraktivität von Stadtrandgebieten und ländlichen Regionen ist nicht immer offensichtlich und auch hier sind A-, B- und C-Lagen je nach den eigenen Interessen zu unterscheiden und herauszustellen. Ungerecht wird es allerdings spätestens in den begehrten Lagen. Denn dort besteht mit dieser Regelung die Gefahr, dass diejenigen, die eh schon über genug Geld verfügen, sich teure Makler mit exklusiven Wohnungszugängen leisten können, was das Ausbluten der kreativen Viertel in den Städten weiter beschleunigen wird.

Uns bei naapuri schwebt da etwas anderes vor!