Wer braucht schon Rückzugsorte!?

(c) Dee Speed, www.flickr.com/photos/badgurl/

Zu Loftwohnungen umgebaute Fabrikhallen, offene Raumkonzepte, großzügige Wohnküchen, Schlafplätze auf Galerien – Mauern sind für viele dazu da, dass sie eingerissen werden. Der Traum vom großzügigen Wohnen begeistert viele.

Doch diese offenen Grundrisse sind für Beziehungen nicht unbedingt vorteilhaft. So weist der Psychologe Wolfgang Schmidbauer im Zeit-Magazin „Ein Designheft über das Zusammenziehen“ darauf hin, dass derartige Architekturkonzepte keine Rückzugsorte bieten. Für denjenigen, der allein wohnt, ist das kein Problem. (Zudem gibt es immer mehr Singlehaushalte, so dass dieser Grundriss den Bedarfen entsprechen könnte.) Aber sobald zwei Menschen (über Familien will ich hier gar nicht erst schreiben) in einer derart zugeschnittenen Wohnung leben, entsteht ein Problem: Es gibt bspw. kein Arbeitszimmer, in dem Du alleine und in Ruhe lesen oder Deine Lieblingsmusik hören kann. Es gibt im Extremfall nicht einmal eine Tür (abgesehen sicherlich vom Bad, das hier nur begrenzte Ausweichmöglichkeiten bietet), die Du hinter Dir zuknallen kannst.

Die Flucht aus der Wohnung und damit oftmals auch aus der Beziehung ist dann kein so abwegiger Gedanke mehr. Problematisch ist dann nur wiederum, dass bezahlbarer Wohnraum zumindest in den begehrten Metropolen immer knapper wird. Wohin das führt, haben wir eingangs bereits erwähnt: zu steigenden Mieten. Das Ganze erscheint wie ein Henne-Ei-Problem: Offener Wohnraum erschwert das Zusammenleben, so dass der Wunsch nach einem eigenen Rückzugsgebiet steigt, der dann selbst eventuell so geschnitten ist, dass er die nächste Beziehung auf die Probe stellt.

Die Lücke nach japanischem Vorbild schließen

Notwendig sind scheinbar neue Raumkonzepte, die sich verändern lassen. Bei denen eben Mauern auch wieder aufgebaut und den eigenen Bedarfen entsprechend angepasst werden können – und das bitte auch für die Geräuschkulisse, ich rede hier nicht von Leichtbauwänden. Ob diese Raumkonzepte eine Chance bekommen, bleibt abzuwarten. Bis dahin könnte sich für findige Unternehmer eine neue Nische eröffnen: Wenn es japanischen Paaren in den eigenen vier Wänden zu eng wird, suchen sie sich andere Orte, in diesem Fall sogenannte Love Hotels, um Zeit für sich zu haben. Wenn es also in den Wohnungen zu eng wird, unsere Bedürfnisse auszuleben, dann müssen wir Ruheräume außerhalb der Wohnung schaffen, wenn wir unsere Beziehung nicht opfern wollen. Die in den 1970er Jahren in Japan entwickelten Schlafboxen haben es ja bereits nach Europa geschafft. Vielleicht lassen sie sich zu Entspannungsboxen weiterentwickeln. Dann klappt es auch mit dem unbegrenzten Raum.

 

Foto: (c) “Dee’s Loft by AJ Photograhy: My Live Work Studio” von Dee Speed, www.flickr.com/photos/badgurl/, CC BY-ND 2.0.de

Leuchtende Farben kombiniert mit japanischer Handwerkstradition

(c) Jo Nagasaka - Schemata Architects Fotos, Quelle: www.facebook.com/jo.nagasaaka/photos

Diese Möbel verleihen selbst einem tristen Raum noch Lebendigkeit. Jo Nagasaka setzt auf einen minimalistischen, aber farbenfrohen Stil und wendet eine alte japanische Handwerkstechnik an: Beim Udukuri werden die weichen Holzschichten mit einer Bürste entfernt, so dass die Maserung deutlicher hervortritt. Dann wird das Möbelstück mit mehreren Farbschichten lackiert und abschließend poliert. Seine neue Serie „Iro“ zeigte der japanische Architekt auf dem London Design Festival im Showroom des britischen Herstellers Established & Sons. Seine Serie “ColoRing” war bereits auf der Maison & Objet Anfang des Monats in Paris zu sehen.

 

Foto: (c) Jo Nagasaka – Schemata Architects Fotos, Quelle: www.facebook.com/jo.nagasaaka/photos