Loftville wird eingestellt!

Letzte Woche erreichte uns die Nachricht, dass das Immobilienvermittlungsportal Loftville dicht macht. Wir hatten über Loftville bereits berichtet und unsere Bedenken geäußert. Diese Zurückhaltung wurde anscheinend von einigen Menschen geteilt. Denn Loftville warb damit, dass man, vereinfacht gesprochen, sich einen Vorteil als suchende Person erkaufen kann, indem man früher von Wohnungen erfährt und sich als Loftvillemitglied als solventer Mieter darstellt. Das Problem ist nur, dass hier versucht wurde, mit der Not der Suchenden Geld zu verdienen, ohne auch auf den Angebotsmarkt einzuwirken.

Dass derartige Konzepte glücklicherweise nur selten auf Gegenliebe stoßen und damit angeblich die vom Loftville-Exklusivpartner Immonet erhoffte schnelle Skalierung ausgeblieben ist, verwundert uns nicht. Der Wohnungsmarkt ist in den Ballungsgebieten nach wie vor ein Verkäufermarkt. Einzelne Personen hier gegen Geld zu bevorteilen, hat irgendwie einen komischen Beigeschmack. Uns schwebt da etwas anderes vor!

Ein Unterschied, der keinen Unterschied macht, ist kein Unterschied

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Zweifelhafter Bonitätscheck

Das erste Mal ist uns der Bonitätscheck bei Loftville aufgefallen, einem Anbieter, den wir bereits erwähnten und den wir als bizarren, abwegigen Auswuchs der Situation am Wohnraummarkt ansehen. Natürlich haben wir über dieses Feature gleich in unserem Team diskutiert. Aus Vermietersicht sind Informationen über Mieter, wie wahrscheinlich dieser seine Miete pünktlich bezahlen wird, natürlich interessant. Aber ist die ausgewiesene Bonität eine Hilfe dabei, zahlungssichere von zahlungsunsicheren Mietern zu unterscheiden?

Mieter geht in sichere Vorleistung

Allgemein gilt, dass Du keiner Statistik glauben solltest, die Du nicht selbst gemacht oder geprüft hast. Bei Loftville kann man sich als Bewerber ein kostenpflichtiges Profil geben, um früher als andere von neuen Wohnungsanzeigen zu erfahren. Vermieter sind an Mietern interessiert, die ihre Wohnung pünktlich bezahlen. Das Bonitätssiegel bei Loftville erhält angeblich, wer sich über Drittanbieter überprüfen lässt. Diese Selbstauskunft ist zunächst einmal für die Vermieter von Vorteil. Denn aus datenschutzrechtlichen Gründen darf ein Vermieter einen Bonitätscheck nur dann verlangen, wenn der Vertragsabschluss unmittelbar bevorsteht. Das bedeutet, dass er nicht einfach eine Interessentenliste einem Bonitätscheck unterziehen und dann die solventeste Person auswählen kann.

Fällt dieser Test über Loftville positiv aus, erhält die Person das Bonitäts-Siegel. Allerdings ist für potenzielle Vermieter nicht einsehbar, auf welchen Daten diese Bewertung beruht – und selbstverständlich wird Loftville ein Interesse daran haben, dass alle Nutzer dieses Siegel erhalten, um weitere zahlende Kunden zu gewinnen.

Alle(s) über einen Kamm scheren

Für den Bonitätscheck gibt es kein einheitliches Vorgehen. Einige Anbieter überprüfen die angegebene Wohnadresse und die Identität der Person. Aus diesen Informationen lassen sich allerdings kaum Aussagen zur Bonität einer Person ziehen. Andere nutzen etwa sogenannte mikrografische Daten, die in Bezug auf Häuser, Straßen oder andere räumliche Gruppierungen gebildet werden. Grundlage dafür sind Personen- und Haushaltsinformationen sowie öffentlich zugängige Daten oder Marktforschungsergebnisse, auf deren Basis Aussagen zur Kaufkraft etc. getroffen werden.

Man kann sich leicht denken, wie schnell es bei diesem Vrogehen passieren kann, dass man in eine Schublade gesteckt wird, in die man gar nicht hineingehört. Natürlich ist hier auch das Gegenteil denkbar. (Vielleicht sollten wir mal über ein neues Geschäftsmodell nachdenken: Wir vermieten Briefkästen in „ehrbaren“ Gegenden, um die angebliche Bonität einer Person zu heben …) So entsteht eine Ghettoisierung, die schnell an der Realität vorbeigeht.

Persönlicher Eindruck ist wichtigstes Kriterium

Die Aussagekraft der Bonität ist also sehr begrenzt. Im Übrigen ist es so, dass in einer Immoscout24-Studie aus dem letzten Jahr 47 % der Vermieter sagen, dass ihnen die Informationen und Eindrücke, die sie bei der Wohnungsbesichtigung vom potenziellen Mieter erhalten, reichen. Es scheint also vielmehr so, dass Loftville und andere Anbieter hier ein Feature ergänzen, das einen angeblichen Mehrwert bietet, um sich selbst zu legitimieren, dessen Mehrwert aber nicht eindeutig zu erkennen ist. Und sicherlich wird es auch bei diesem Feature nur eine Frage der Zeit sein, bis die Wettbewerber nachziehen, ohne dieses Instrument konstruktiv-kritisch zu überprüfen. Da gibt es andere Mechanismen, die deutlich glaubwürdiger sind, um die Bonität eines Bewerbers herauszustellen.

 

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